Eigentlich beginnt diese Geschichte nicht 2019, sondern 1977. Andreas ist damals fünf Jahre alt. Seine Großeltern leben in Pinneberg, und wenn er dort das Wochenende verbringt, setzen ihn seine Eltern in Harburg in die Bahn. Allein fährt er nach Pinneberg – etwas, das heute bei einem Fünfjährigen kaum noch vorstellbar wirkt, damals für die Familie aber ganz selbstverständlich dazugehört.
Am Bahnhof in Pinneberg wartet sein Onkel Frank. Er holt Andreas ab, nimmt ihm die Sachen aus der Hand – und dann kommt ein Detail, an das Andreas bis heute besonders gern zurückdenkt: Frank zieht ihm seine HSV-Kutte über. Diese Kutte gehörte für den kleinen Jungen ganz selbstverständlich dazu. Heute besitzt Andreas sie leider nicht mehr. Und genau das bedauert er bis heute, weil an diesem Stück Stoff so viele Erinnerungen hängen.
Wenn an diesem Wochenende der HSV zu Hause spielt, geht es mit Frank in den alten Volkspark. Andreas ist noch so klein, dass er große Teile des Spiels auf den Schultern seines Onkels erlebt. Meistens stehen sie in der Westkurve, Block E, manchmal auch in Block F. Von dort oben sieht Andreas das Stadion, die Menschen, die Farben und hört zum ersten Mal diese Geräuschkulisse, die ihn sein ganzes Leben nicht mehr loslassen wird.
Es ist nicht jedes Heimspiel und nicht starr alle zwei Wochen. Aber die Stadionbesuche gehören regelmäßig zu den Wochenenden bei den Großeltern. Und irgendwann ist aus dem kleinen Jungen auf Franks Schultern ein HSV-Fan geworden, für den dieser Verein nie wieder einfach nur ein Fußballclub sein wird.
Onkel Frank hat Andreas diese neue Welt gezeigt. Er ist vor knapp drei Jahren verstorben. Aber die Erinnerung daran, wer ihn damals zum ersten Mal mit in den Volkspark genommen hat, gehört ganz bewusst zu dieser Geschichte. Denn fast fünf Jahrzehnte später geschieht im Grunde dasselbe noch einmal: Was Frank an Andreas weitergegeben hat, lebt Andreas heute gemeinsam mit seinem Sohn Juliano weiter.
Am 6. November 2019 erschien dann der erste öffentliche VaterSohn-Kanalauftritt auf YouTube. Damals war das Format noch breiter gedacht: HSV, Spielanalysen, Fantalk, FIFA, Battles und Challenges. Schon in dieser ersten Beschreibung stand aber der Satz, der rückblickend viel besser passt als jedes spätere Markenversprechen: gemeinsam als Familie.
Aus dem Kanal kristallisierte sich schnell das heraus, was bis heute geblieben ist: der HSV als gemeinsamer Mittelpunkt. Spätestens 2020 war der Mittwoch um 19 Uhr als fester Fantalk-Abend dokumentiert. Andreas und Juliano diskutierten aktuelle HSV-News, Spiele und Transfers – nicht von einer Pressetribüne, sondern aus der Perspektive zweier Fans, die denselben Verein durch unterschiedliche Generationen erlebt haben.
Genau darin liegt bis heute der Kern von VaterSohn. Andreas bringt Erinnerungen an einen HSV mit, den er noch im alten Volksparkstadion erlebt hat. Er hat Spieler wie Peter Nogly selbst für den HSV spielen sehen. Juliano bringt die Perspektive einer jüngeren HSV-Generation mit, für die Volkspark, YouTube, Livechat und digitale Community selbstverständlich zusammengehören. Das sind keine zwei künstlich verteilten Rollen. Das ist eine Familie mit zwei Blickwinkeln auf denselben Verein.
Wir müssen nicht jede Szene gleich sehen und nicht jeden Spieler gleich bewerten. Aber wenn es um den HSV geht, sprechen wir über etwas, das uns beide wirklich betrifft. Diese Mischung aus Erinnerung und Gegenwart, Erfahrung und neuer Fanperspektive ist der Grund, warum aus einem Vater-Sohn-Kanal ein dauerhaftes HSV-Format werden konnte.
Dass Andreas heute von vielen in der Community einfach liebevoll „Vaddi“ genannt wird, passt dabei fast schon zu gut. Der Name ist nicht am Reißbrett entstanden. Er hat sich im Livestream und in der Community entwickelt – aus genau dieser Rolle heraus: Vater, HSV-Fan, Diskussionspartner und jemand, der seine Leidenschaft nicht für sich behält, sondern weitergibt.