Warum überhaupt nachgespielt wird
Ein Fußballspiel besteht aus zwei Halbzeiten zu je 45 Minuten. Während dieser Zeit läuft die Uhr auch bei vielen Unterbrechungen weiter. Damit Verletzungsbehandlungen, Wechsel oder andere längere Verzögerungen nicht einfach komplett von der tatsächlichen Spielzeit abgehen, sieht Regel 7 der IFAB Laws of the Game einen Ausgleich für verlorene Zeit vor.
Der Schiedsrichter entscheidet, wie viel Zeit in der jeweiligen Halbzeit verloren ging. Es geht also nicht darum, jede Sekunde mit einer Stoppuhr nachzuholen, sondern die relevanten Unterbrechungen angemessen zu berücksichtigen.
Was der Schiedsrichter berücksichtigen soll
Die aktuelle IFAB-Regel nennt ausdrücklich Auswechslungen, Behandlung oder Abtransport verletzter Spieler, Zeitspiel, Disziplinarmaßnahmen, erlaubte medizinische Pausen, Verzögerungen durch VAR-Checks und Reviews sowie Torjubel. Auch andere erhebliche Verzögerungen können berücksichtigt werden.
Deshalb kann die Nachspielzeit von Spiel zu Spiel stark schwanken. Ein ruhiger Durchgang ohne längere Unterbrechungen braucht wenig Zusatzzeit. Mehrere Verletzungen, ein langer VAR-Check und viele Wechsel können die Zahl deutlich erhöhen.
Warum fünf angezeigte Minuten nicht bei 95:00 enden müssen
Das ist der häufigste Streitpunkt. Der vierte Offizielle zeigt die Mindestnachspielzeit an, die der Schiedsrichter festgelegt hat. IFAB formuliert ausdrücklich, dass diese Zeit erhöht, aber nicht reduziert werden darf. Passiert während der fünf Minuten eine weitere längere Unterbrechung, kann der Schiedsrichter diese zusätzlich nachspielen lassen.
Wenn also bei 92:30 ein Spieler behandelt wird und das Spiel erst eine Minute später weitergeht, muss bei fünf angezeigten Minuten nicht zwingend bei 95:00 Schluss sein. Die zusätzliche verlorene Zeit kann hinten angehängt werden.
Warum der letzte Angriff kein eigenes Recht auf Verlängerung ist
Häufig hört man, der Schiedsrichter müsse einen Angriff noch zu Ende spielen lassen. So pauschal steht das nicht in den Regeln. Entscheidend ist die festgelegte Spielzeit einschließlich des Ausgleichs für verlorene Zeit. Eine Sonderregel gibt es beim Strafstoß: Muss ein Elfmeter am Ende einer Halbzeit noch ausgeführt oder wiederholt werden, wird die Halbzeit bis zum Abschluss dieses Strafstoßes verlängert.
In normalen Spielsituationen entscheidet der Schiedsrichter über den Zeitpunkt des Abpfiffs. Dass er nicht mitten in einer offensichtlich laufenden Szene pfeift, ist eine Frage der Spielleitung, aber kein pauschaler Anspruch auf einen letzten Angriff.
Warum Nachspielzeit immer Diskussionen erzeugen wird
Von außen kennt niemand jede einzelne Zeitbewertung des Schiedsrichterteams. Dazu kommt, dass Fans Unterbrechungen emotional unterschiedlich wahrnehmen. Liegt der HSV hinten, fühlt sich jede Pause zu lang an. Führt der HSV knapp, läuft die Uhr gefühlt gar nicht mehr.
Für mich hilft eine einfache Regel beim Zuschauen: Die Zahl auf der Tafel ist ein Minimum, keine Zielzeit für den Schlusspfiff. Wenn danach noch Zeit verloren geht, kann es länger dauern. Kennt man diesen Punkt, wirkt die vermeintlich „mysteriöse“ siebte Minute schon deutlich weniger mysteriös.
- IFAB Laws of the Game 2026/27: Law 7: The Duration of the Match
- IFAB: VAR-Protokoll
- Hamburg1887: Gelbsperre in der Bundesliga