Was sich durch die „falsche“ Seite verändert
Ein klassischer rechter Flügelspieler mit starkem rechten Fuß kann außen beschleunigen und aus dem Lauf flanken. Ein Linksfuß auf derselben Seite hat einen anderen natürlichen Weg. Zieht er nach innen, liegt der Ball auf seinem starken Fuß und der Weg zum Tor öffnet sich. Genau daraus entstehen typische Abschlüsse aus dem Halbraum.
Diese Spielweise ist im Spitzenfußball längst normal. UEFA beschreibt regelmäßig Mannschaften mit „inverted wingers“, also Flügelspielern auf der jeweils anderen Fußseite. Der Zug nach innen öffnet Abschlüsse, diagonale Pässe und Kombinationen im Zentrum.
Der Außenverteidiger bekommt plötzlich eine andere Aufgabe
Wenn der Flügelspieler nach innen zieht, wird außen Platz frei. Diesen Raum kann ein offensiver Außenverteidiger mit einem Überlauf besetzen. So muss der Gegner entscheiden: Folgt der Verteidiger dem Flügelspieler nach innen oder schützt er die Außenbahn? Genau diese Entscheidung kann eine Abwehr auseinanderziehen.
Das funktioniert aber nur, wenn die Staffelung stimmt. Gehen Flügelspieler und Außenverteidiger beide gleichzeitig in denselben Raum, wird es eng. Gute Teams besetzen Breite und Halbräume bewusst unterschiedlich. Das ist für mich ein schöner Punkt, auf den man während eines Spiels achten kann.
Warum der Abschlusswinkel attraktiver wird
Ein Linksfuß von rechts kann nach innen auf seinen starken Fuß dribbeln und das lange Eck anvisieren. Der Ball liegt dabei geschützt zwischen Körper und Gegner, wenn der Spieler die Bewegung sauber ausführt. Gleichzeitig kann er aus derselben Haltung einen Pass in die Tiefe oder zum Mittelstürmer spielen.
Das macht ihn schwerer zu lesen. Ein Verteidiger weiß zwar, dass der Weg nach innen wahrscheinlich ist, kann ihn aber nicht einfach öffnen. Tut er das, bekommt der Angreifer genau den Raum, den er sucht. Schließt er innen, kann der Weg außen für den Mitspieler frei werden.
Die Spielweise hat auch Nachteile
Ein inverser Flügelspieler kann berechenbar werden, wenn er fast immer nach innen zieht. Außerdem ist eine klassische Flanke von der Grundlinie mit dem schwächeren Fuß schwieriger. Wenn der Außenverteidiger nicht nachschiebt, kann einer Mannschaft dadurch Breite fehlen.
Und defensiv muss die Abstimmung ebenfalls passen. Wer sehr früh ins Zentrum rückt, hinterlässt auf der Außenbahn Räume. Deshalb hängt die Rolle immer vom gesamten System ab. Nur weil ein Linksfuß rechts aufgestellt ist, heißt das noch nicht, dass er 90 Minuten dieselbe Bewegung wiederholt.
Was ich beim HSV daraus lesen würde
Bei einer Aufstellung schaue ich deshalb auf die Namen, den starken Fuß und die Mitspieler dahinter. Ein inverser Flügelspieler kann darauf hindeuten, dass der HSV stärker durch die Halbräume spielen will oder einem Außenverteidiger bewusst Platz für Vorstöße gibt.
Meine Meinung: Diese kleinen Details erklären oft mehr als die nackte Formation. Auf dem Papier steht 4-3-3. Auf dem Platz entscheidet aber, wer Breite hält, wer nach innen zieht und wer den frei werdenden Raum übernimmt. Genau da beginnt Taktik interessant zu werden.
- UEFA: Beispiel für inverted wingers im 4-3-3
- UEFA: Technische Analyse zu change-footed wingers und inversen Außenverteidigern
- Hamburg1887: Sechser, Achter und Zehner erklärt