Was „ablösefrei“ überhaupt bedeutet
Wenn ein Spieler seinen Vertrag erfüllt hat und anschließend zu einem anderen Klub wechselt, wird im Fußball meist von einem ablösefreien Transfer gesprochen. FIFA führt solche internationalen Wechsel als „out of contract“: Der Spieler ist nicht mehr an seinen bisherigen Verein gebunden und zwischen den beiden Klubs wird kein Transfervertrag über einen permanenten Wechsel geschlossen. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem normalen Kauftransfer.
Der Begriff sagt also nur etwas über die Ablöse zwischen den Vereinen aus. Er sagt nichts darüber, wie teuer das Gesamtpaket für den neuen Klub wird. Genau da entsteht bei Transfermeldungen oft ein falscher Eindruck. Ein Verein kann für einen Spieler null Euro Ablöse zahlen und trotzdem über mehrere Jahre einen zweistelligen Millionenbetrag binden.
Handgeld und Gehalt können den Deal teuer machen
Ein Spieler, der ohne Ablöse zu haben ist, besitzt in Verhandlungen einen Vorteil. Der aufnehmende Verein muss keinen anderen Klub ausbezahlen. Ein Teil dieses finanziellen Spielraums kann deshalb beim Spieler landen, etwa über ein höheres Grundgehalt oder ein einmaliges Handgeld bei der Unterschrift. Ob und in welcher Höhe solche Zahlungen vereinbart werden, ist Vertragsfrage und wird öffentlich oft gar nicht bekannt.
Für mich ist deshalb bei jeder Meldung über einen „ablösefreien Coup“ der Blick auf die Vertragslaufzeit mindestens genauso wichtig wie die fehlende Ablöse. Drei oder vier Jahre Gehalt, mögliche Prämien und ein Signing Bonus gehören wirtschaftlich genauso zum Transfer wie eine klassische Zahlung an den abgebenden Verein.
Auch Beraterleistungen sind nicht umsonst
An einem Transfer können lizenzierte Football Agents beteiligt sein. FIFA beschreibt deren Tätigkeit ausdrücklich als Dienstleistung rund um Verhandlungen und Transaktionen. Dafür kann eine vereinbarte Service Fee anfallen. Wer diese zahlt und unter welchen Voraussetzungen, hängt von der konkreten Vertretungsvereinbarung und den geltenden Regeln ab.
Deshalb wäre es zu einfach, bei einem ablösefreien Spieler nur auf die Zahl „0 Euro“ zu schauen. Für eine seriöse Einordnung braucht man das gesamte Paket. Genau diese Zahlen liegen Fans und Medien aber selten vollständig vor. Deshalb sollte man bei vermeintlichen Schnäppchen vorsichtig mit endgültigen Urteilen sein.
Bei jungen Spielern kann noch Ausbildungsentschädigung eine Rolle spielen
Eine weitere Besonderheit sind die FIFA-Regeln zu sogenannten Training Rewards. Vereine, die einen jungen Spieler ausgebildet haben, können unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Ausbildungsentschädigung haben. Das ist etwas anderes als eine frei ausgehandelte Ablösesumme und lässt sich nicht pauschal auf jeden ablösefreien Wechsel übertragen.
Gerade deshalb gefällt mir die Formulierung „ablösefrei“ besser als „kostenlos“. Sie beschreibt sauber, was wir tatsächlich wissen: Es gibt keine klassische Ablösezahlung an den bisherigen Klub. Alles Weitere hängt vom einzelnen Vertrag und vom Status des Spielers ab.
Warum ablösefreie Transfers trotzdem sehr attraktiv sind
Trotz aller Nebenkosten können solche Deals für einen Verein extrem interessant sein. Das finanzielle Risiko verteilt sich anders, weil kein großer Betrag an einen anderen Klub überwiesen werden muss. Der Verein kann mehr Geld in Gehalt, Laufzeit oder Kaderbreite stecken. Gerade wenn ein Spieler sportlich sofort hilft, kann das eine sehr vernünftige Lösung sein.
Meine Meinung: Ein ablösefreier Transfer ist dann stark, wenn Preis, Rolle und Vertragslaufzeit zusammenpassen. Das Etikett allein sagt überhaupt nichts über die Qualität des Geschäfts. Ein vermeintlich kostenloser Spieler kann zu teuer sein, ein gut bezahlter ablösefreier Profi dagegen ein hervorragender Deal.
- FIFA: Methodology: Transferarten und „out of contract“
- FIFA: Clearing House: Ausbildungsentschädigung und Solidaritätsmechanismus
- FIFA: FAQ zu Football Agents und Service Fees