Das Wichtigste in Kürze
- Termin
- Sonntag, 06.09.2026 · 15:30 Uhr
- Ort
- Volksparkstadion
- Mainz zum Auftakt
- 0:0 gegen SC Paderborn
- DFB-Pokal
- 9:0 beim VfB Krieschow
- Vorsaison
- Platz 10 · 40 Punkte
- Auswärtsserie
- 6 Bundesliga-Gastspiele ungeschlagen
- Trainer
- Urs Fischer
- Ex-HSVer
- Ransford Königsdörffer
Personen, Vereine und Zusammenhänge
Was bestätigt ist – und was noch offen bleibt
Bestätigt
- Der HSV empfängt Mainz 05 am Sonntag, 6. September 2026, um 15:30 Uhr im Volksparkstadion.
- Mainz startete mit einem 0:0 gegen den SC Paderborn in die Bundesliga-Saison und gab dabei 16 Torschüsse ab.
- Im DFB-Pokal gewann Mainz zuvor mit 9:0 beim VfB Krieschow; Phillip Tietz erzielte vier Treffer.
- Mainz beendete die Bundesliga-Saison 2025/26 mit 40 Punkten auf Rang zehn, zwei Punkte vor dem HSV.
- Die Mainzer sind seit sechs Bundesliga-Auswärtsspielen ungeschlagen und holten in dieser Serie vier Siege und zwei Remis.
- Dominik Kohr fällt nach einer Syndesmoseverletzung länger aus. Auch Eric Martel, Paul Nebel und Silas stehen gegen den HSV nicht zur Verfügung.
- Ransford Königsdörffer wechselte im Sommer vom HSV nach Mainz und kam in den ersten beiden Pflichtspielen der Saison als Joker zum Einsatz.
- In der Vorsaison gewann der HSV das Heimspiel gegen Mainz 4:0; das Rückspiel in Mainz endete 1:1.
Noch offen
- Die offizielle Mainzer Startelf für das Spiel im Volkspark wird erst am Spieltag veröffentlicht.
- Ob Stefan Posch Dominik Kohr in der Dreierkette ersetzt, ist vor dem Spiel noch nicht bestätigt.
- Benedict Hollerbach ist nach seinem U23-Einsatz wieder ein Kaderkandidat; eine endgültige Nominierung steht noch aus.
Das 0:0 gegen Paderborn macht Mainz gefährlicher, nicht harmloser
Mainz 05 ist ohne Tor in die Bundesliga gestartet, aber das 0:0 gegen den SC Paderborn sollte uns beim HSV nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Rheinhessen hatten über weite Strecken die Kontrolle, kamen auf 16 Torschüsse und trafen durch Phillip Tietz sogar die Latte. Was fehlte, war die Konsequenz im letzten Drittel. Paderborn verteidigte kompakt und hatte mit Nahuel Noll einen starken Torhüter. Für mich ist deshalb klar: Mainz reist nicht als verunsicherte Mannschaft nach Hamburg, sondern eher mit dem Gefühl, beim Auftakt zwei Punkte liegen gelassen zu haben.
Die letzten fünf Pflichtspiele zeigen eine ziemlich stabile Basis
Die jüngsten Ergebnisse sehen insgesamt ordentlich aus. Zum Bundesliga-Start gab es das 0:0 gegen Paderborn. Eine Woche zuvor gewann Mainz im DFB-Pokal beim Oberligisten VfB Krieschow mit 9:0. Die drei Pflichtspiele davor stammen aus dem Ende der Vorsaison: 2:0 beim 1. FC Heidenheim, 1:3 zu Hause gegen Union Berlin und 2:1 beim FC St. Pauli. Damit stehen aus den letzten fünf Pflichtspielen drei Siege, ein Remis und eine Niederlage. Der Pokalsieg gegen einen unterklassigen Gegner ist natürlich kein Bundesliga-Maßstab, zeigt aber, dass Mainz Chancen durchaus konsequent verwerten kann, wenn Räume entstehen.
Urs Fischer hat aus Mainz wieder eine unangenehme Auswärtsmannschaft gemacht
Urs Fischer übernahm Mainz 05 im Dezember 2025 und stabilisierte eine Mannschaft, die damals mitten im Abstiegskampf steckte. Am Ende der Saison 2025/26 standen 40 Punkte und Rang zehn. Der HSV kam auf 38 Punkte und Platz 13. Besonders auffällig ist die Entwicklung auswärts. Von elf Bundesliga-Gastspielen unter Urs Fischer verlor Mainz nur zwei. Aktuell sind die 05er seit sechs Liga-Auswärtsspielen ungeschlagen, mit vier Siegen und zwei Unentschieden. Im Jahr 2026 sammelte auswärts nur Bayern München mehr Punkte. Genau deshalb halte ich das erste Heimspiel für deutlich komplizierter, als es der Name des Gegners auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt.
So will Mainz Spiele kontrollieren
Beim 0:0 gegen Paderborn wurde Mainz in einer 3-3-2-2-Grundordnung geführt. Dahinter steckt das typische Prinzip von Urs Fischer: drei Spieler sichern den Aufbau, die Außen geben Breite und im Zentrum sollen kurze Abstände entstehen. Nadiem Amiri bewegt sich dabei in Räumen, in denen er das Spiel beschleunigen und den letzten Pass vorbereiten kann. Kaishu Sano gibt dem Zentrum Stabilität und arbeitet viele zweite Bälle auf. Mainz muss nicht permanent spektakulär spielen. Die Mannschaft ist dann unangenehm, wenn sie den Gegner in Zweikämpfe zieht, Ballverluste provoziert und anschließend schnell vertikal wird.
Amiri ist der Spieler, den der HSV aus dem Zentrum halten muss
Nadiem Amiri ist für mich der wichtigste Mainzer Feldspieler. Er kann das Tempo bestimmen, Standards treten und zwischen Mittelfeld und Angriff auftauchen. Neben ihm ist Kaishu Sano ein zentraler Faktor, weil er viele Räume schließt und dem Spiel Balance gibt. Der HSV darf Mainz deshalb nicht erlauben, im Zentrum in Ruhe aufzudrehen. Wenn Merlin Polzins Mannschaft dort zu große Abstände lässt, kann Mainz mit wenigen Kontakten hinter die erste Pressinglinie kommen. Gerade nach der schwierigen ersten Halbzeit in Dortmund muss Hamburg in diesem Bereich deutlich kompakter und aggressiver auftreten.
Tietz bringt Wucht, Becker Tempo und Königsdörffer kennt den Volkspark
Im Angriff hat Mainz unterschiedliche Profile. Phillip Tietz ist körperlich stark, arbeitet viel gegen den Ball und war im Pokal mit vier Treffern der auffälligste Torjäger. Gegen Paderborn fehlten ihm nur Zentimeter zum ersten Ligator. Sheraldo Becker bringt Tempo und Tiefe, wenn Mainz nach Ballgewinn schnell umschalten kann. Und dann ist da natürlich Ransford Königsdörffer. Der ehemalige HSV-Stürmer wechselte im Sommer nach Mainz, kam im Pokal und gegen Paderborn jeweils als Joker und traf in Krieschow. Für den HSV absolvierte er in vier Jahren 138 von 148 möglichen Pflichtspielen, erzielte 33 Tore und bereitete neun weitere vor. Seine Geschwindigkeit kennt im Volkspark jeder.
Die Personallage trifft Mainz vor allem in der Achse
Mainz reist nicht in Bestbesetzung nach Hamburg. Dominik Kohr hat sich gegen Paderborn das Syndesmoseband am rechten Knöchel verletzt und fällt länger aus. Auch Eric Martel, Paul Nebel und Silas Katompa Mvumpa stehen am Sonntag nicht zur Verfügung. Stefan Posch ist nach seinem Trainingsrückstand inzwischen weiter und kommt als möglicher Ersatz für Kohr in der Dreierkette infrage. Benedict Hollerbach ist nach einem Einsatz für die U23 wieder ein Kandidat für den Spieltagskader. Gerade Kohrs Ausfall ist relevant, weil Mainz damit Erfahrung und Aggressivität in der letzten Linie fehlt.
Bei Standards sieht Fischer selbst noch eine Baustelle
Ein interessanter Punkt aus der Mainzer Vorbereitung auf das HSV-Spiel sind die ruhenden Bälle. Urs Fischer hat die Ausbeute seiner Mannschaft selbst deutlich kritisiert und vorgerechnet, dass im Schnitt nur aus jedem 34. Standard ein Tor entsteht. Das ist für eine körperlich robuste Mannschaft erstaunlich wenig. Für den HSV bedeutet das trotzdem nicht, Ecken und Freistöße leichtfertig zuzulassen. Im Gegenteil: Mainz wird genau an diesem Thema gearbeitet haben. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass diese Schwäche automatisch noch eine Woche anhält.
Das 4:0 aus der Vorsaison darf niemanden blenden
Das letzte Mainzer Gastspiel im Volkspark war aus HSV-Sicht ein Traumabend. Hamburg gewann im Oktober 2025 mit 4:0. Albert Sambi Lokonga traf früh, Rayan Philippe erzielte zwei Tore und Jean-Luc Dompé legte nach der Pause nach. Im Rückspiel im Februar 2026 sah die Sache schon anders aus: Mainz ging durch Nadiem Amiri in Führung, Fábio Vieira rettete dem HSV mit einem abgefälschten Freistoß das 1:1. Vor allem aber hat Mainz heute einen anderen Trainer und eine deutlich stabilere Auswärtsstruktur. Wer das kommende Spiel mit dem 4:0 aus dem Vorjahr erklärt, macht es sich zu einfach.
Meine Einschätzung: Der HSV muss das Spiel aktiv an sich ziehen
Für mich liegt der Schlüssel darin, Mainz nicht in sein bevorzugtes Spiel kommen zu lassen. Der HSV muss von Beginn an mutig auftreten, die zweiten Bälle im Zentrum gewinnen und Ballverluste vor der eigenen Abwehr vermeiden. Gleichzeitig bietet Kohrs Ausfall die Chance, die neu formierte Mainzer letzte Linie früh unter Druck zu setzen. Ich erwarte kein Spiel, in dem Hamburg den Gegner einfach an die Wand spielt. Mainz ist zu stabil, zu erfahren und auswärts zu unangenehm dafür. Aber im ersten Heimspiel, mit der Nordtribüne im Rücken und einer klaren Reaktion auf Dortmund, hat der HSV die Möglichkeit, den Rhythmus vorzugeben. Genau diese Haltung möchte ich sehen: nicht abwarten, was Mainz anbietet, sondern selbst bestimmen, wie dieses Spiel läuft.



